Beziehungsratgeber: 111 Gründe, Männer zu lieben

Ein Lobgesang auf das starke Geschlecht von Victoria B. Robinson

19.07.2009 Jörn Käsebier

Eine Rezension von „111 Gründe, Männer zu lieben", einem Beziehungsratgeber von Victoria B. Robinson, der nicht belehren soll, sondern Männer aus Frauensicht betrachtet.

Veröffentlicht sind bereits „111 Gründe, Frauen zu lieben“, „111 Gründe, Hunde zu lieben“ und „111 Gründe, SM zu lieben“. Da wurde es Zeit für die „111 Gründe, Männer zu lieben“. Müssen Männer nun Masochisten sein, um die Lektüre des Buches durchzustehen, können Frauen ihre sadistische Ader beim Lesen befriedigen? Nein, soviel sei vorab verraten, Autorin Victoria B. Robinson (geboren 1980) geht es nicht darum, den Geschlechtergegensatz zu verstärken. Vielmehr handelt es sich bei „111 Gründe, Männer zu lieben“ um eine Liebeserklärung an Männer im Allgemeinen, die nicht an Kritik spart.

Männer als Superhelden, Warmduscher und Lover

In zehn Kapiteln zählt Victoria B. Robinson ihre Gründe auf und erläutert sie. Diese reichen von „Weil Männer falsche Brüste und Haare nicht von den natürlichen unterscheiden können“ (im Kapital „Lover“) über „Weil Männer gern zur Stelle sind, wenn uns ein anderer verletzt hat“ („Superhelden“) bis „Weil Männer nach dem Ikea-Einkauf alles ins Auto kriegen“ („Anpacker“). Die Gründe selbst führt Robinson auf ein bis zwei Seiten aus, oft angereichert mit Anekdoten ihres eigenen Beziehungslebens oder Erzählungen ihrer Freundinnen. Meist kommen die Männer gut weg, schließlich handelt es sich um einen „Lobgesang auf das starke Geschlecht“ (so der Untertitel des Buches). Wenn Kritik geäußert wird, wird sie gleich mit der Hoffnung verbunden, dass es auch anders geht.

Zitate von Geistesgrößen und Kunstfiguren

In manchen Teilen tappt die Autorin leider in die Klischeefalle. Es geht ja um Männer im Allgemeinen und nicht Individuen, weshalb in einigen Episoden die Männer leider dem Rollenbild, das im amerikanischen Sitcoms und Hollywood-Spielfilmen geprägt wird, entsprechen. Da Robinson jedoch die eine oder andere ironische – manchmal auch selbstironische – Bemerkung einfließen lässt, durchbricht sie die Klischeehaltungen schnell wieder. Für Überraschungen sorgen die Zitate, von denen eines zu jedem Grund gestellt ist. Oft unterstreichen sie die zuvor gemachten Aussagen oder führen sie gar weiter. Die Zitatgeber scheinen allerdings etwas willkürlich ausgewählt, neben Goethe, Nietzsche und Thomas Jefferson kommen auch Geistesgrößen wie Samy Deluxe und Bart Simpson zu Wort.

Kurze amüsante Anekdoten

„111 Gründe, Männer zu lieben“ ist kein Buch, das fortlaufend gelesen werden sollte. Besser ist es, darin zu blättern und sich einzelne Passagen rauszugreifen. Denn so bleibt der Inhalt amüsant und wird nicht langweilig, Redundanzen fallen nicht so stark ins Gewicht und schwache, etwas bemühte Teile können schnell überblättert werden. Am Ende der Lektüre bleibt die Gewissheit, dass es viele Gründe gibt, Männer zu lieben. Doch sobald es um eine konkrete Person geht, braucht es gar keine Gründe.

Victoria B. Robinson: 111 Gründe, Männer zu lieben. Ein Lobgesang auf das starke Geschlecht. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2009. Taschenbuch, 256 Seiten. Euro 9,90.

Der Artikel Beziehungsratgeber: 111 Gründe, Männer zu lieben in Ratgeber & Lebenshilfebücher unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Beziehungsratgeber: 111 Gründe, Männer zu lieben ist Jörn Käsebier.
Robinson: 111 Gründe, Männer zu lieben, Schwarzkopf & Schwarzkopf Robinson: 111 Gründe, Männer zu lieben